Einwohner Barcelona

Barcelona-Bewohner

Die Protestaktion am Strand von Barcelona: Die Einwohner hindern Touristen am Baden. Wie beurteilen die Einwohner von Barcelona diese Entwicklung? Amtlicher Clubname: Futbol Club Barcelona. Die Einwohner Barcelonas sprechen beide Sprachen. In Barcelona gibt es einige berühmte Persönlichkeiten.

Die Eile sollte verlangsamt werden.

Die bedeutendste Besucher-Metropole Spaniens will den unbegrenzten Besucherstrom eindämmen, der immer mehr Menschen verärgert. Barcelona/Madrid. Die Freude des einen ist aber das Leiden des anderen, und während sich Geschäftsleute und Stadtverwaltung meist die Hand scheuern, geht der ständige Hype immer mehr "normalen" Bewohnern auf die Nerven. Barcelona, die Landeshauptstadt der katalanischen Selbstverwaltung in Spanien, die auch die zweitgrösste Metropole des Königreiches ist, ist zur Zeit besonders nörglerisch.

Zudem wird das wilde Wachstum der Zehntausende von Privatwohnungen gestoppt: Es gibt keine neuen Genehmigungen mehr für die Anmietung an Tourismus. "In der weltberühmten "Rambla", der prächtigen Allee Barcelonas, sangen viele Einwohner gegen die Exzesse des massenhaften Tourismus. "Die bekannteste touristische Route haben wir verloren", sagte der Anwohnerverband.

Durch den Tourismusboom in der mediterranen Metropole (1,6 Mio. Einwohner, rund 4,9 Mio. inklusive der umliegenden Agglomeration) steigen die Immobilienpreise in die Höhe, beklagt Ana Menéndez, Leiterin der Buergerinitiative. So gehen die Bewohner auf die Absperrungen " für das Recht, in unserer Heimatstadt zu wohnen ". Die verärgerten Einwohner hielten vor einigen Monaten einige der Panorama-Busse an, mit denen die Besucher unterwegs waren.

"Sie zerstören unsere Gemeinde. Tourists, go home" ist ein Slogan, der zunehmend auf Mauern und Bürgersteigen aufgesprüht wird. Auch in Barcelona, der meist besuchten Metropole des Jahres 2016, nimmt der Fremdenverkehr stark zu: Mehr als acht Mio. Menschen sollen hier übernachten, das ist nach London (rund 20 Mio.) und Paris (18 Mio.) der dritte europäische Markt.

In manchen Fällen wird die Zahl der nicht gemeldeten Fälle, einschließlich der Tagesbesucher, auf mehr als 30 Mio. geschätzt. Die Menschenmassen in Barcelona werden selbst für viele Urlauber zu viel: "Man konnte nichts in Frieden sehen", beschwerte sich ein Deutscher in einem Interview mit der "Presse".

Barcelona: Spanische Blocktouristen vor dem Absprung ins Wasser

Das war die bisher grösste Handlung gegen die Gastgeber von Spanien. Mehrere hundert Bewohner des Arbeiterviertels "La Barceloneta" nahmen ihre Strände zurück und demonstrierten gegen den "Tourismus" und den damit verbundenen Preisanstieg in ihrer Stadt. Sie haben mit gelbem T-Shirt mit der Inschrift "Our Barcelona is not for sale" eine menschliche Kette gebildet, während die Badenden beim Sonnenbaden am Meer ein wenig verzweifelt aufpaßten.

"Die Aufhebung der touristischen Wohnungen und ein Ende der furchtbaren Immobilienspekulationen wird gefordert, denn jede Wohnung für die Bewohner ist eine weniger. "Diese unglaubliche Beute ist unschätzbar. Der italienische Ivan Capano, der seit zehn Jahren eine traditionsreiche Kneipe in der Carrer de Sant Carles in der Barceloneta führt, bestätigte die gestiegenen Mieten.

Außerdem ist das Miteinander mit den Besuchern nicht immer problemlos: "Wenn wir Bewohner uns beschweren und über laute Feste läuten, werden wir belästigt und oft bedroht", sagt Manel Martínez, der Vorsitzende des Bürgervereins Barcelona. An vielen Stellen in Spanien werden heute mit den Fingern auf früher so willkommene Urlauber zielt.

Während im vergangenen Jahr 75 Mio. Menschen nach Spanien kamen, werden es in diesem Jahr voraussichtlich 84 Mio. sein. In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal mehr Urlauber als Einwohner auf der Balearen-Insel Mallorca. "Die Tageszeitung El País fragt kürzlich: "Was nützt es den Menschen in Palma, wenn täglich 20.000 Kreuzritter die ganze Welt angreifen und wegen ihrer Pauschalangebote kaum etwas ausgeben?

Gleiches trifft auf Barcelona zu, Spaniens grössten Seehafen. Mittlerweile haben sich an vielen Orten Spaniens, beginnend mit den Balearen, der baskischen Stadt San Sebastián und auch der galicischen Stadt Santiago de Compostela, Bürgerinitiativen gegen den "Tourismus" ausgerechnet. Die linke katalonische Jugend-Organisation Arran hielt Ende Juni einen Reisebus in Barcelona an, punktierte die Räder und schrieb auf die Frontscheibe "Tourismus bringt die Stadt um....".

"Das kann sich aber durchaus verändern, wenn jemand wirklich etwas passiert. Aber die Preise sind hoch: Viele Einwohner vermeiden jetzt gezielt die Stadtteile. "Die Ramblas-Promenade, der alte Stadtteil Barrio Gótico und der Strand von Barceloneta sind schwer zu erreichen", sagt der Kommunikationsforscher Albert Mercadé, der von seinem traditionellen Stadtteil Eixample nach Guinardó außerhalb des Stadtringes umziehen musste, weil die Mieten zu hoch wurden.

Nach einer aktuellen Studie der Stadtverwaltung sehen die 1,6 Mio. Einwohner den Fremdenverkehr als das grösste Hindernis der Mittelmeer-Metropole, noch vor der Arbeitslosenquote und dem röhrenden Aufkommen. Die Anzahl der Urlauber hat sich seit 1990 verdreifacht. Letztes Jahr waren es neun Mio. Menschen. Barcelona liegt damit in Europa unmittelbar hinter London und Paris, zwei Städten, die jedoch viel mehr Platz haben.

Barcelonas Bürgermeister Ada Colau will dem Fremdenverkehr ein Ende setzen. Aber nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner leidet, auch viele Urlauber haben nicht mehr das reine Urlaubsvergnügen. Die Sagrada Familia, das Wahrzeichen Barcelonas, kann in diesem Jahr nicht mehr ohne Online-Reservierung besucht werden. Dementsprechend lange Seiten an der hinteren Kassenseite, wenn die Gäste aus ihren Doppelstockbussen aussteigen und der Tagescoupon ausgebucht ist.

In Spanien gibt es viele Urlauber, die Reisepreise sind deutlich angestiegen, sagte Fritz Joussen, Leiter von Europas grösstem Reiseunternehmen TUI, kürzlich. Dies könnte schon bald weitere Reiseziele anlocken. In Barcelona und an vielen anderen Plätzen würde man jedoch erleichtert atmen.

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