Pico Azoren

Urlaub im Hotel am höchsten Berg Portugals

Pico, zu den Azoren gehörig und deren zweitgrößte Insel, heißt übersetzt so viel wie Gipfel. Wer den höchsten Berg Portugals, den Vulkan Pico, sehen möchte, muss rund 1.500 Kilometer vom europäischen Festland entfernt seinen Urlaub verbringen. Aber die weite Anreise lohnt.

Vom Walfang zum sanften Tourismus

Erst seit 1981 besitzt Pico einen Flughafen. Direktflüge vom Kontinent gibt es nicht, man muss auf einer anderen Insel umsteigen. Aus Deutschland kommend fliegt man am besten in die östliche Inselgruppe, also die, die Europa am nächsten liegt. Die Flugdauer beträgt nur etwa vier Stunden. Von Ponta Delgada auf der Insel São Miguel geht es weiter in die Zentralgruppe, zu der auch Pico gehört. Für die vergleichsweise aufwändige Anreise wird der Naturfreund mit einem Azorenurlaub abseits von Massentourismus und Bettenburgen entschädigt.

Pico, eine Azoren-Insel
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Blick auf São Roque do Pico, eine Kleinstadt auf der Azoren-Insel Pico

Der Walfang stellte auf Pico noch bis 1983 einen wichtigen Industriezweig dar. In zwei Walmuseen lernt der Tourist, das Erlegen von Walen nicht gleich zu verurteilen. Die Jagd auf Pottwale mit Ruderbooten ist nicht vergleichbar mit dem massenhaften Töten und Verarbeiten der Meeressäuger mit Hilfe von schwimmenden Fabriken, wie sie die großen Walfangnationen betreiben. Heute arbeiten die Walbeobachter, die Vigias da baleia, auf den Türmen rund um die Insel für die Touristik-Anbieter, die mit dem Whale watching ein einmaliges Erlebnis im Atlantik um Pico und die Azoren bieten. Neben den Walen gibt es auch einen reichen Bestand an Delfinen, mit denen man auch schwimmen kann. Dazu bedarf es aber einiger Übung, denn es ist keine gute Idee, wenn ungeübte Schwimmer in den wilden Atlantik springen, um dort mit Wildtieren zu spielen.

Auf der Suche nach dem Azorenhoch

Der Wetterbericht spricht zwar oft vom Azorenhoch, das heißt aber nicht, dass auf den Azoren immer die Sonne scheint. Das Klima ist sehr angenehm. Das Meer sorgt für warme Winter und nicht zu heiße Sommer. An der Bergkette, zu der auch der 2.351 Meter hohe Vulkan Pico gehört, stauen sich oft Wolken. Das führt zu sehr interessanten Wetterphänomenen. Regnet es auf einer Inselseite und liegt Pico in Wolken, scheint auf der anderen Seite die Sonne. Ein Wechsel auf die Sonnenseite ist bei nur maximal 15 Kilometer Inselbreite kein Problem, auch wenn man mit dem Mietwagen einfacher um die Insel herum fährt als durch die Berge.

Der vulkanische Boden und das spezielle Klima machen Pico nicht nur zu einer bunten Blumeninsel, sondern auch zu einem Anbaugebiet für Rotwein, das seit 2004 zum UNESCO Welterbe zählt. Über den Rotwein, den Vinho tinto, bekommt der Reisende auch leicht Kontakt mit der Bevölkerung. Nur 14.000 Einwohner hat Pico, und selbst ohne Kenntnisse der portugiesischen Sprache lässt sich bei einem schönen Glas Wein mit Händen und Füßen über die Arbeit im Weinberg und die verschiedenen Ausbaustufen des Weins bis hin zum Port diskutieren.

Ein großes Touristenzentrum sucht man auf Pico vergeblich. Aber in einem kleinen Hotel, Gasthaus oder Ferienwohnung begegnet man Weltenbummlern, Wanderern und Meeresbiologen. Und keine Sorge, dass man nach einer Woche einen Inselkoller bekommt. Man kann von Pico die Azoren kennenlernen und mit der Fähre auf interessante Nachbarinseln übersetzen, zum Beispiel die blaue Insel Faial, die ihren Spitznamen von den blühenden Hortensien hat.