Wandern auf Graciosa
Graciosa - eine der kleinsten und am wenigsten besuchten Inseln des Azorenarchipels.
Markierte Wanderwege, wie auf den anderen Inseln, gibt es hier nur wenige.
Die Insel ist klein, und gerade deswegen auch ein lohnendes Ziel.
Die Menschen, denen wir begegneten, waren überaus freundlich - ein Winken hier, ein "bom dia" dort -
es geht alles noch recht gemächlich und ursprünglich-rustikal zu.
Die Ansprüche an Unterkünfte, Sehenswürdigkeiten und Freizeitmöglichkeiten sollte man nicht zu hoch schrauben,
man trifft sich abends am Dorfplatz oder in einer der kleinen Bars.
Gerade die Unverdorbenheit der Insel machte für uns aber ihren ganz besonderen Reiz aus - Graciosa kommt ohne
überflüssigen Schnickschnack aus.
Wanderung 1: von Santa Cruz entlang der Nord- und Nordwestküste über die Küstenstrasse bis Ribeirinha
Ca. 10 - 12 km, einfacher Weg über die kaum befahrene Küstenstrasse, einfach mit einer längeren, aber nicht schwierigen Steigung gegen Ende. Landschaftlich reizvoll entlang der Küste, ganz gemütlich mit viel Zeit zum Umschauen, Fotografieren und Geniessen ca. 4 Stunden.

Wir starten in Santa Cruz und schlagen die Küstenstrasse Richtung Norden ein. Zunächst kommen wir noch an einigen Wohnhäusern vorbei, bis wir den Ort ganz verlassen und folgen dem Schild
"Farol Ponta da Barca". Zunächst begleiten uns Wiesen und einige von schwarzen Mäuerchen umgebenen Weinreben.
Links würde schliesslich eine Strasse zum Flughafen abgehen, wir halten uns jedoch weiter geradeaus.
Tipp: hin und wieder schlagen wir uns "in die Büsche" an Stellen, von denen man einen schönen Blick auf die
schwarz zerklüftete Küste und das blaue Meer hat.

Ein Stückchen, ca. 1 - 1,5 km nach der Strasse zum Flughafen, erreichen wir die Barra Vermelho mit angeschlossenem kleinen Picknick- und Campingplatz. An der Mauer nahe der Strasse führt eine Treppe hinab zu einem kleinen Strand mit rotem Sand - bei ruhiger See ein beliebter Badeplatz.
Die Strasse macht eine weite Linkskurve und führt nun ganz gemächlich ein wenig bergauf - kaum ein Auto
stört unsere Wanderung auf dieser kleinen Insel. So sehen wir - auch manchmal auf der Strasse -
mehr Kühe als Fahrzeuge.
Wir erreichen schliesslich den Abzweig, der uns rechterhand zum Leuchtturm an der Ponta da Barca führt.
Hier sehen wir auch die Ilhéu da Baleia - den Walfelsen, der sich wie ein steinerner Walfisch aus dem Ozean erhebt.
Wir gehen zurück zur Strasse, der wir weiter folgen, kurz darauf erreichen wir einen kleinen Weiler mit einigen Häusern, am Kreisverkehr hier könnten wir uns entscheiden, nach links zu gehen um über Cruz do Bairro wieder nach Santa Cruz zu gelangen. Wir gehen jedoch weiter geradeaus und gelangen zu einem kleinen Kirchlein (Sra. da Vitoria), das leider meistens verschlossen ist, aber eine gute Gelegenheit für eine kurze Rast bietet.
Nach der Kirche sehen wir einige Häuser, die bereits zu Vitoria gehören - wir gehen weiter geradeaus und lassen
die Strasse nach Vitoria links liegen.
Die Strasse beschreibt nun eine lange Linkskurve und wir halten Ausschau nach einem kleinen Weg rechts
und einem
Schild, das uns nach Porto Afonso führt.
Wie haben nun den westlichsten Punkt Graciosas erreicht, der kleine Hafen gehört zum Ort Vitoria und ist in heutigen Tagen recht verschlafen - eine Anlegestelle mit Kran gibt es dort, Häuser sucht man vergebens. Interessant sind jedoch die Felsen rund um die kleine Bucht, die aus bröseligem Material bestehen und in welche die Bootseigner kleine Höhlen gegraben haben, um dort ihre Boote zu verstauen. Das Gestein ist schichtweise aufgebaut, man sieht verschiedene Schwarz-, Rot- und Brauntöne.
Wir gehen zur Strasse zurück, und halten uns rechts. Die Strasse führt nun gen Süden stetig ein wenig bergauf, bereits in Richtung Ribeirinha, der Anstieg ist nicht wirklich steil, zieht sich aber ein wenig stetig bergan,
da wir uns bereits der
Sierra Dormida, einem kleinen Höhenzug in der westlichen Inselmitte nähern.
Wenn wir Glück haben, sehen wir vor Ribeirinha die Bauern ihre Felder bestellen, teilweise noch mit dem Pferdepflug.
Wenn wir den Ort am späten Nachmittag oder kurz vor Abend erreichen, treiben die Bauern vielleicht gerade
ihre Kühe
durch den verschlafenen kleinen Ort, in dessen Mitte sich ein Musikpavillon,
quasi das "Ortszentrum", befindet.
Hier finden wir auch die Bushaltestelle um den Bus zurück nach Santa Cruz zu nehmen - man kann natürlich
auch dorthin zurück laufen, wenn man noch möchte.
Wanderung 2 : von der Furna do Enoxefre über Canada Longa, Luz, Carapacho nach Praia
Angenehme Wanderung entlang der Südküste - schöne Ausblicke auf das Meer und die Caldeira.
Eine etwas längere Steigung (ca. 1 km) ab Carapacho bis hinauf zum Leuchtturm, ansonsten einfach.
Bei ganz gemütlicher Gangart mit viel Zeit zum Geniessen, Fotografieren, Anschauen und Rast in Carapacho
ca. 4-5 Stunden, wer es eilig hat, schafft die 10 - 12 km natürlich auch schneller.

mit dem Taxi (alternativ mit dem Bus nach Canada Longa)
fahren wir zur Caldeira im Süden zur Insel bis zum Eingang zur
Furna do Enoxefre, einer der Hauptattraktionen Graciosas.
Für die Besichtigung der Höhle, durch die wir über einen
eigens hierfür errichteten Turm aus schwarzem Lavastein
über eine Wendeltreppe ca.30 m hinab in den Krater steigen, veranschlagen wir ca. 30 -45 Minuten.
Wir gehen nach der Höhlenbesichtigung zu Fuss durch die Caldeira zurück zum Tunnel, welcher den Kraterrand durchbricht und weiter zum Weiler Canada Longa, wo wir auf die Strasse stossen. Wir halten uns links und folgen der Beschilderung Richtung Luz. Unterwegs erleben wir Dorfleben pur, vorbei an Feldern, Gärten, Ställen mit bellenden Hunden, gackernden Hühnern und freundlichen Dorfbewohnern. Am Strassenrand sehen wir ab und zu Waschhäuser, in denen einigen Bewohner noch immer ihre Wäsche waschen und zum Trocknen aufhängen.
Wir erreichen schliesslich das kleine Örtchen Luz, wo wir im örtlichen Lebensmittelmarkt etwas zur Stärkung
besorgen können.
Sehenswert sind ein kleiner bunter imperio und die Ortskirche, für deren Besuch wir die Strasse
nach Carapacho kurz verlassen.
Wir gehen weiter, immer der Küstenstrasse entlang, nach Carapacho, einem freundlichen Ort, der sich
entlang der Küste dahinzieht. Wir haben einen schönen Blick auf die kleine Ilhéu de Baixo und ein paar Felslein
im Meer, die Ilhéu de Baixo ist ein Naturreservat und Vogelschutzgebiet.
Am Ende des Ortes, überragt vom den Steilwänden der Küste, besuchen wir das Thermalbad von Carapacho, das
mit warmen Wasser aus der Caldeira gespeist wird. Wer möchte, kann hier in angenehmer Atmosphäre ein Bad
nehmen. Auch die Naturschwimmbecken im Meer unterhalb der Anlage laden zum Baden ein.
In der Snack-Bar und Restaurant Dolphin können wir uns ein wenig stärken, bevor wir uns wieder
auf den nächstenAbschnitt des Wegs machen.
Die Strasse führt uns nun in einer weiten Kehre zunächst oberhalb Carapachos entlang,
nach der Kehre geht es dann Richtung des Leuchtturms an der Ponta da Restinga - ein wenig mühselig,
haben wir den Abzweig zum Leuchtturm erreicht, haben wir es jedoch geschafft.
Wir können den Leuchtturm aufsuchen, von wo aus man einen herrlichen Blick hat,
obwohl der Leuchtturm selbst nicht unbedingt sehenswert ist.
Gemütlich geht es nun sanft bergab mit Blick auf die Caldeira und den unten an der Küste liegenden Weiden
mit grasenden Kühen, blauem Ozean und schöner Vegetation.
Nach einer kleinen Weile erreichen wir den kleinen Weiler Fenais, kurz vorher sehen wir schon
die kleine Ilhéu da Praia, der "Hausinsel" von Praia, ebenfalls ein Naturreservat.
In Praia finden wir direk am Hafen einen kleinen Sandstrand, allerdings zum Baden vielleicht nicht
wirklich so attraktiv, aber auch nicht ganz übel.
Wir können uns ein wenig im Hafen umsehen, dort gibt es auch ein Restaurant, ein paar Fischerboote,
über dem Hafen steht eine Windmühle.
Gemütlich ist der kleine Dorfplatz bei der Kirche.
Mit dem Taxi (sollte kurz vor dem Hafen auf dem dafür vorgesehenen Platz keine Taxis stehen,
was durchaus der Fall sein kann, bitten wir in der kleinen Bar gegenüber darum,
uns ein Taxi aus Santa Cruz zu rufen - natürlich können wir zum Dank etwas zu Trinken bestellen
und geben ein kleines Trinkgeld) fahren wir zurück nach Santa Cruz.
Alternativ können wir den Bus nehmen - sofern er gerade fährt.
Weitere Wanderungen auf Graciosa finden Sie hier:





